Ein Blick ins All: Alexander Gerst begeistert am KIT

Der deutsche ESA-Astronaut erhielt die Ehrendoktorwürde, besuchte zur Übergabe der Urkunde seine ehemalige Hochschule und sprach über seine Missionen im Weltraum

Wie sieht ein Gewitter über den Wolken aus, wie verändert sich der Körper in der Schwerelosigkeit und was kann Forschung an Bord der ISS zur Behandlung irdischer Krankheiten beitragen? Antworten auf Fragen wie diese fand ESA-Astronaut Alexander Gerst bei den beiden Missionen, die ihn 2014 und 2018 auf die Internationale Raumstation ISS führten. Seine wissenschaftlichen Wurzeln liegen auch in Karlsruhe: 2003 erhielt er sein Diplom in Geophysik an der Universität Karlsruhe, dem heutigen Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Die KIT-Fakultäten für Physik und für Bauingenieur-, Geo- und Umweltwissenschaften verliehen ihm nun die Ehrendoktorwürde. Die feierliche Übergabe der Urkunde und ein Vortrag im vollbesetzten Audimax führten den deutschen ESA-Astronauten nun wieder an seine frühere Universität

„Zu sehen, wie erfolgreich Alexander Gerst seinen Weg seit seinem Studium in Karlsruhe weitergegangen ist, macht uns am KIT ganz besonders stolz“, sagt der Präsident des KIT, Professor Holger Hanselka. „Er ist Vorbild und Motivation für unsere Studierenden und unsere Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, aber auch für uns alle, wenn es darum geht, über Grenzen hinweg zu denken, uns von unserer Neugier treiben zu lassen und dabei Lösungen für drängende Zukunftsfragen zu entwickeln. Ich freue mich sehr, dass er heute hier bei uns ist.“

 

An seine Zeit in Karlsruhe denkt der ESA-Astronaut noch gerne zurück: „Hier war der Start meiner wissenschaftlichen Karriere. Ich habe sehr viel gelernt, von dem ich heute noch als Wissenschaftler und Astronaut der Europäischen Weltraumorganisation ESA profitiere“, so Dr. Alexander Gerst. „Wir leben in einer immer komplexer werdenden Welt mit immer knapper werdenden Ressourcen. Auf meinen Missionen konnte ich einen Blick von außen auf unsere Erde werfen und sehen, wie zerbrechlich sie ist.“ Um sie zu schützen, sei es besonders wichtig diese Sicht in die Gesellschaft zu tragen: „Dabei spielen gerade Studierende sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wie hier am KIT eine entscheidende Rolle – mit ihrem Engagement und ihren Projekten, aber auch weil sie über ihre Forschung informieren und den Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern suchen.“

 

„Die Forschung auf der ISS eröffnet für eine Vielzahl wissenschaftlicher Disziplinen neue Methoden und Sichtweisen in aktuelle Forschungsgebiete. Das reicht von entwicklungsbiologischen Themen über Methoden der Materialwissenschaften bis zu ganz grundsätzlichen Fragen der Astrophysik und der Kosmologie“, so Professor Georg Weiß, Dekan der KIT-Fakultät für Physik. 400 Kilometer über der Erde forschte Gerst auf der ISS unter anderem an Methoden zur Behandlung von Krebs und Parkinson, an einem Hightech-Schmelzofen und mit robotischen Systemen. Seit 1998 haben Astronautinnen und Astronauten auf der Raumstation insgesamt rund 2800 Experimente aus 107 Ländern realisiert. Seinen Alltag im Weltraum teilte der deutsche ESA-Astronaut in Bildern und Videos über die sozialen Medien. „Alexander Gerst hat viele Menschen weltweit nicht nur für Weltraumforschung, sondern auch für die Klima- und Umweltwissenschaften begeistert. Er hat uns dabei faszinierende Einblicke in seine Weltraum-Missionen geschenkt und mit seiner unnachahmlichen Weise den Horizont für die großen, vor uns liegenden Herausforderungen geweitet“, sagt Professor Frank Schilling, Dekan der KIT-Fakultät für Bauingenieur-, Geo- und Umweltwissenschaften. „Herausforderungen, denen sich viele Wissenschaftler und Studierende am KIT mit Engagement stellen. Wir freuen uns über den Motivationsschub durch Dr. Alexander Gerst.“

 

Sein wissenschaftlicher Weg hin zum zweiten europäischen und ersten deutschen Kommandanten auf der ISS begann für Alexander Gerst mit Prozessen im Inneren der Erde: In seiner Diplomarbeit untersuchte er die Veränderungen von Spannungen in der Erdkruste unter dem neuseeländischen Vulkan Ruapehu vor und nach einer Eruption. „Natürlich war für mich nicht abzusehen, dass Alexander zwölf Jahre später zu einer Mission in den Weltraum aufbrechen wird. Was ich aber sehen konnte war, dass er in seiner Arbeit immer ein Stück weiter wollte, als es die eigentliche Aufgabenstellung erfordert hätte. So, als mache ihn das, was jenseits des unmittelbaren Horizonts liegt, besonders neugierig“, sagt sein damaliger Betreuer Professor Friedemann Wenzel. „Als ich das Gutachten zu seiner exzellenten Arbeit schrieb, dachte ich: So einer wäre im 18. oder 19. Jahrhundert ein Entdeckungsreisender geworden und hätte die unbekannten Weiten der Erde erforscht. In moderner Form macht er das ja heute auch.“

 

Die Erde mit ihren Vorgängen und Organismen haben ihn schon immer fasziniert, so Gerst: „Ich wollte immer wissen, wie Erdbeben oder Vulkane entstehen“, so Gerst. Dabei ist es ihm wichtig, seine Erfahrungen vor allem mit den zukünftigen Generationen zu teilen: „Ich bin jetzt selbst in einer Position, in der ich junge Leute, und dabei besonders auch Mädchen, vielleicht ein wenig inspirieren und ihnen zeigen kann, was es für Möglichkeiten gibt und wie wichtig es ist, Aufgaben in Wissenschaft und Technologie zu übernehmen.“

 

Als „Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft“ schafft und vermittelt das KIT Wissen für Gesellschaft und Umwelt. Ziel ist es, zu den globalen Herausforderungen maßgebliche Beiträge in den Feldern Energie, Mobilität und Information zu leisten. Dazu arbeiten rund 9 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf einer breiten disziplinären Basis in Natur-, Ingenieur-, Wirtschafts- sowie Geistes- und Sozialwissenschaften zusammen. Seine 25 100 Studierenden bereitet das KIT durch ein forschungsorientiertes universitäres Studium auf verantwortungsvolle Aufgaben in Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft vor. Die Innovationstätigkeit am KIT schlägt die Brücke zwischen Erkenntnis und Anwendung zum gesellschaftlichen Nutzen, wirtschaftlichen Wohlstand und Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen.

Foto: Markus Breig/KIT

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